Freitag, 21. Dezember 2012

Bundeswehr jetzt auch ab nach Mali

Weltuntergang vorerst abgesagt, nicht in Mali. Dort dürfte es dann bald scheppern wie der Spiegel weiß. Ich bin zwar längere Zeit (ehrlich gesagt: Noch nie) in Mali gewesen, aber immer wenn von der Entsendung von Friedenstruppen zum Kampf gegen Dschihadisten die Rede ist, bekomme ich spitze Ohren. Ist ja auch ´ne Schande! Da gründet die NATO extra das "US Africom" (US African Command), und nichts zu tun für die Jungs und Mädels in Stuttgart.

Nahost-Experte Christoph Hörstel postet heute mittag: "MALI: JETZT GEHT'S LOHOS!! 'Bedeutend' sei der Schritt, tönt es aus den europäischen Pudel-Mäulern. Und Hollandes Frankreich wieder ganz vorne dabei - 'sonst entsteht da ein "Terrorstaat"!' Wie - will die CIA jetzt einen eigenen Staat gründen? Und wir schicken dann Truppen hin, super! So wechselt die Macht in Mali immer von einer amerikanischen Hand in die andere: Mal(i) sind die Terror-Pudel an der Macht und mal(i) ein ganz normales Pudelregime, wie in Deutschland."

"Die Lage gilt als hochriskant, doch Frankreich drängt auf einen Einsatz so früh wie möglich. 'In Mali steht unsere eigene Sicherheit auf dem Spiel', sagte jüngst der französische Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian. 'Wenn wir uns nicht schnell bewegen, dann entsteht dort Schritt für Schritt ein terroristischer Staat.'", schreibt der Spiegel. Jetzt mal im Ernst Monsieur Le Drian: Die Typen haben vielleicht Handtücher um den Kopf gewickelt und brüllen "Allahu Akbar" während sie den russischen Fünfzig-Euro-Mörser beladen. Aber eine Gefahr für Frankreich? Die sind doch nicht vollkommen verblödet und greifen ein NATO-Mitglied mit 347.000 aktiven Soldaten und einem Militärbudget von 66.180.000.000 Euro an. Klar könnte eine latente Gefahr durch Terroranschläge bestehen, aber erstmal müssen die durch Algerien, dann das Mittelmeer durchschwimmen und als nächstes noch an Land kriechen. Das ist doch alles sehr unwahrscheinlich, es sei denn die CIA gibt den Befehl und die nötigen Mittel dazu. Da könnte doch der ein oder andere Verbündete in Washington gefragt werden, ob da irgendwelche Pläne bestehen - wohl eher nicht.

Die Äußerung Le Drians erinnert ein wenig an die Aussage des kürzlich verstorbenen ehemaligen Verteidigungsminister, Peter Struck, der 2002 zum Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr sagte: "Die Sicherheit Deutschlands wird auch am Hindukusch verteidigt." Im Mai 2010 besuchte der damalige Bundespräsident, Horst Köhler, deutsche Soldaten in Afghanistan und erinnerte daran, der Bundesrepublik treu zu dienen und die Freiheit des Volkes tapfer zu verteidigen. „Genau dies“, fuhr er fort, „tun Sie hier in Afghanistan.“

Tatsache ist allerdings, dass die Mehrzahl der deutschen Bevölkerung nicht möchte, dass die ganze Welt zum Einsatzgebiet der Bundeswehr wird. Laut einer Allensbach-Umfrage, von der Frankfurter Allgemeinen in Auftrag gegeben, meinen lediglich acht Prozent der Deutschen, dass Deutschland sich an Militäraktionen ohne "Wenn und Aber" beteiligen soll, 52 Prozent sagen, man sollte sich dann so weit wie möglich zurückhalten, 31 Prozent lehnen eine Beteiligung ab. Seit dieser Umfrage sind zwei Jahre vergangen, und was ist passiert? Weiterhin deutsche Soldaten im Kosovo (KAFOR) und in Afghanistan und Usbekistan (ISAF und UNAMA), Einsatz der Bundeswehr vor der Küste vom Libanon (UNIFIL), Piratenabschreckungsmanöver (Operation Atalanta) vor der Küste Somalias. In Djibouti, Somalia, Kenia und auf den Seychellen läuft der Einsatz "EUCap Nestor", "EUTM SOM" in Uganda, "UNMISS" im Südsudan, "EUSEC RD CONGO" in der Demokratischen Republik Kongo und "UNAMID" im Sudan und der Region Dafur.
Sinnvoll oder nicht, die Mehrzahl der Deutschen sind gegen diese Einsätze und wünschen sich eher eine reine Verteidigungsarmee, aber statt dessen folgen Entsendungen in die Türkei an die syrische Grenze und nach Mali.

Vielleicht sollte Standard and Poors den islamistischen Terroristen einfach ein mieses Ranking verpassen. Das könnte dazu führen, dass Washington den Extremisten weniger Kohle zur Verfügung stellt. Aber nein, blöde Idee. Die CIA vergibt ja keine Kredite, sondern erwirbt eine terroristische Dienstleistung, dann lieber eine schlechte Bewertung bei my-hammer und Deutschland sollte "schweizerischer" werden.

Foto: Die Zeit
Grafiken: FAZ und Bundeswehr


Christian Hildebrandt

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