Dienstag, 11. Dezember 2012

Privatisierung

"Deutsche Lobbyverbände laufen Sturm gegen eine neue EU-Richtlinie, die die Vergabe von Konzessionen harmonisieren soll. Gewerkschafter fürchten, dass nur noch "Dumpinganbieter" zum Zuge kommen", so stand es heute in 'Die Welt'.

Da sind wir also angekommen?! Privatisierung des Trinkwassers. Danke EU und Gratulation nochmal zum Friedensnobelpreis! Aber noch ist die Trinkwasser-Privatisierung ja nicht da und der Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Michael Sommer, und der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Hans-Peter Keitel, haben einen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verfasst, der mit der Bitte endet: Die Kanzlerin möge doch in Brüssel intervenieren, damit die geplante Richtlinie der EU-Kommission zur Vergabe von Konzessionen in Europa abgelehnt wird.

Gerade in Zeiten der Finanzkrise könnte ein kleiner warmer Geldregen nicht schaden. Glauben wir, dass es dazu kommt? Oh ja! Denn an jeder Ecke wo sich staatliche "Güter", die mit dem Geld des Volkes aufgebaut wurden, verschachert werden können, damit Konzerne Gewinne machen, wird es bestimmt gemacht. Ich sehe es schon kommen: Die Qualität unseres Trinkwassers hat das Niveau der Brühe erreicht, die in England aus den Hähnen kommt. Das Trinkwassernetz gehört nun mehrheitlich dem größten Lebensmittelkonzern der Welt, Nestle, der übrigens schon länger für eine Privatisierung der Trinkwasserversorgung plädiert, welcher sich nun diebisch über die rasant steigenden Umsetze seiner Mineralwasser-Sparte freut. Es gibt gewisse Bereiche die (meiner Meinung nach)staatlich sein sollten wie die Bahn, das Postwesen, Strom, das Telefonnetz und...Banken. Privatisierung hat noch keinem Verbraucher was genützt.

Was haben wir denn schönes seit der Liberalisierung des Strommarktes erlebt? Wir haben zwar eine riesige Auswahl an Anbietern und können frei wählen, aber unterm Strich sind die Preise gestiegen. RWE-Chef Jürgen Großmann sagte, dass die Preise auch noch in den nächsten Jahren massiv steigen werden. Laut Verivox werden die Preise im nächsten Jahr um durchschnittlich 13 Prozent steigen, bei einen Verbrauch von 4000 Kilowatt die Stunde macht das ungefähr 129 Euro pro Jahr. Natürlich nicht für größere Konzerne und Unternehmen, die werden weiter schön subventioniert. Die gestiegenen Kosten werden nun gekonnt mit den verschiedensten Umlagen verschleiert und am Ende geht die Krötenwanderung weiter.

Bei der Telekom sah das ganze so aus: Jeder zweite Mitarbeiter hat das Unternehmen verlassen, seit der Postbetrieb in eine Aktiengesellschaft umgewandelt wurde. Rund 112000 waren das bislang. Und es werden noch mehr. Kurzatmiger, aber aggressiver Wettbewerb, gesättigte Märkte, neue Technologien und die Renditeerwartungen der Aktionäre machen Druck. Aber wenigstens sind die Telefonkosten gesunken, auf Kosten des Services und der Mitarbeiter - Naja.

Bei der Post ist das ähnlich: Die Preise für Briefmarken und Päckchen sind zwar noch erschwinglich, der Hase liegt hier woanders im Pfeffer. Die deutsche Post AG verabschiedet sich sukzessiv von ihren Filialen. Die Post AG setzt ganz gezielt die Kommunen unter Druck, wenn sie gern eine Filiale für ihre Bewohner hätten, könne sie auch dafür in die Tasche greifen. Auch die immer mehr gewordenen Partnerschaften zwischen der Post und lokalen Geschäften, die einen Postbereich haben, werden abgeschafft. In diesen waren die Mitarbeiter mehr und mehr dazu angehalten den Kunden alles mögliche aufs Auge zu drücken, was auch mit Testkäufen kontrolliert wurde. In Zukunft setzt die Post auf Automaten die wahre Alleskönner sind - Paketstation, Kontoauszug- und Geldautomat, Briefmarkenautomat und Briefkasten. Fazit auch bei dieser Privatisierung: Weniger Service, Stellenabbau und gestiegene Kosten.

Der letzte große Staatskonzern, die Bahn, hat 2008, in Anbetracht der Euro-Kriese, seine Kapitalprivatisierung von geplanten 49,9 Prozent der Anteile abgeblasen. Richtig Staat ist aber auch die Bahn nicht, dem Staat gehört sie nur. Die deutsche Bahn hat dieses Jahr einen Gewinn von 2,7 Milliarden verbucht und will diesen 2014, so das Handelsblatt, auf vier Milliarden steigern. Um das zu schaffen muss natürlich der Fahrgast bluten - weniger Service, überfüllte Züge, mehr Kosten. Die Ticketpreise sind im letzten Jahr durchschnittlich 3,9 Prozent gestiegen, die Bahn begründet das mit den gestiegenen Energiekosten, Da beißt sich dann die Katze selbst in den Schwanz.

Jetzt privatisieren die EU-Verbrecher das Wasser, als nächstes kommt der feuchte Traum von jedem dieser korrupten Abzocker - eine Co²-Steuer aufs Ausatmen, denn jedes Lebewesen ist ein CO²-Sünder also sollte doch auch jeder Mensch für seinen klimaschädlichen Atem bezahlen.

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